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60 minutes in Subkultur in Kreuzberg

Subkultur in Kreuzberg · 60 minutes · Punk, Musik, Geschichte, Subkultur · Schwerpunkt auf Kreuzberg 36.

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    Kottbusser Tor

    Startpunkt ist der U-Bahnhof Kottbusser Tor auf der Hochbahnlinie U1. Das "Kotti" gilt seit Jahrzehnten als Herz von Kreuzberg 36 und als Sinnbild für die Widersprüche des Bezirks: migrantisch geprägte Nachbarschaft, soziale Probleme, Nachtleben und politischer Aktivismus auf engstem Raum. Prägend ist das Neue Kreuzberger Zentrum, der große Wohnblock mit der geschwungenen Fassade über der Adalbertstraße, Ergebnis der autogerechten Kahlschlagsanierung der 1970er Jahre, gegen die sich die Hausbesetzerbewegung richtete. Hier entstand auch die Mieterinitiative Kotti & Co, deren Protesthütte zeitweise am Platz stand. Nimm dir einen Moment, um den Blick über den Platz schweifen zu lassen.

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    Oranienstraße

    Vom Kottbusser Tor gehst du nach Nordosten in die Oranienstraße. Sie ist die Hauptschlagader des alten SO 36 und war in den 1970er und 1980er Jahren die Bühne der West-Berliner Punk-, Haubesetzer- und Alternativszene. Hinter der Mauer gelegen, war das Viertel billig, heruntergekommen und vom Wehrdienst befreit – das zog Künstlerinnen, Aussteiger, Musikerinnen und politische Gruppen an, parallel zur türkischen Einwanderung seit den 1960er Jahren. Bis heute reihen sich Kneipen, Läden und Clubs aneinander, dazwischen Plakatwände und Graffiti. Am 1. Mai ist die Straße traditionell Schauplatz von Demonstrationen und des Straßenfestes MyFest.

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    SO36

    Weiter die Oranienstraße hinauf bis zur Hausnummer 190. Der Club SO36 ist seit 1978 die wichtigste Punk- und Konzertadresse Kreuzbergs und trägt den alten Postbezirk SO 36 im Namen. In den Anfangsjahren war er zeitweise mit Martin Kippenberger verbunden und wurde zum Treffpunkt der West-Berliner Punk- und New-Wave-Szene; Einstürzende Neubauten und viele andere spielten hier, die Toten Hosen gehören zu den wiederkehrenden Gästen. Heute ist das SO36 ein Kollektivbetrieb mit Konzerten, Punk-Partys, queeren Veranstaltungen wie dem Gayhane-Abend und politischen Veranstaltungen. Von außen eher unscheinbar – die Fassade mit Plakaten verrät das Programm.

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    Heinrichplatz

    Nur wenige Schritte weiter östlich öffnet sich die Oranienstraße zum Heinrichplatz. Der kleine, baumbestandene Platz ist einer der zentralen Treffpunkte im Kiez und war über Jahrzehnte Sammelpunkt für Demonstrationen, Straßenfeste und spontane Versammlungen; an den 1.-Mai-Tagen ist er einer der Brennpunkte. Rund um den Platz liegen Altbauten, die in den 1980er Jahren teils besetzt und später legalisiert wurden – Ergebnis der sogenannten Behutsamen Stadterneuerung, mit der West-Berlin nach den Konflikten um Abriss und Besetzungen seine Sanierungspolitik umstellte. Setz dich auf eine Bank und beobachte das Kommen und Gehen.

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    Bethanien (Kunstquartier Bethanien)

    Vom Heinrichplatz gehst du die Mariannenstraße nach Norden zum Mariannenplatz. Dort steht das ehemalige Diakonissenkrankenhaus Bethanien, ein Backsteinbau mit zwei Türmen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der Schließung als Krankenhaus sollte es abgerissen werden; Proteste verhinderten das. 1971 wurde ein Nebengebäude besetzt und nach dem bei einer Demonstration getöteten Georg von Rauch benannt – das Georg-von-Rauch-Haus wurde durch das Lied "Rauch-Haus-Song" der Band Ton Steine Scherben zur Ikone der Szene. Heute beherbergt der Hauptbau Ateliers, Projekträume und Kulturinstitutionen; der Mariannenplatz davor ist eine große Wiese.

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    Oberbaumbrücke

    Vom Mariannenplatz führt dich der Weg über die Falckensteinstraße Richtung Spree zur Oberbaumbrücke. Die zweistöckige Backsteinbrücke mit ihren Türmen und Zinnen verbindet Kreuzberg mit Friedrichshain. Von 1961 bis 1989 verlief hier die Berliner Mauer: Die Spree gehörte zu Ost-Berlin, die Brücke war gesperrt und diente zeitweise nur als Fußgängerübergang für West-Berliner. Oben fährt die U1, die für viele die Lebensader des Kiezes ist. Der Blick von der Brücke auf den Fluss und die Uferwege ist einer der bekanntesten Berlins; in den Sommermonaten treten hier regelmäßig Straßenmusikerinnen und -musiker auf.